Margarita Mathiopoulos Dissertation

Leipzig/Bonn. Wegen Plagiaten in ihrer Dissertation verlor die Politikberaterin Margarita Mathiopoulos ihren Doktortitel. Sie klagte dagegen - und scheitert jetzt auch in dritter Instanz.

Die Politikberaterin und Publizistin Margarita Mathiopoulos hat den Rechtsstreit um den Entzug ihres Doktortitels wegen Plagiaten verloren. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigte am Mittwoch die Entscheidung der Universität Bonn als rechtmäßig, die Mathiopoulos 2012 den Doktorgrad wegen Täuschung aberkannt hatte. Eine Prüfung hatte zuvor ergeben, dass fast die Hälfte des Textes aus Übernahmen fremder Vorlagen bestand. Gekennzeichnet waren die Quellen demnach nicht.

Die Dissertation stammt aus dem Jahr 1986. Schon in den 1990er Jahren hatte es Zweifel an der Arbeit gegeben. Die Hochschule prüfte und bemängelte schon damals eine größere Anzahl von Verstößen gegen das Zitiergebot. Allerdings kam die Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass Mathiopoulos nicht vorsätzlich gehandelt habe.

Gericht hält Entzug des Titels fürs rechtmäßig

Zwanzig Jahre später nahmen sich Plagiatsjäger im Internet die Arbeit noch einmal vor. Sie fanden mehr als 300 Passagen aus fremden Werken, die nicht als Übernahmen gekennzeichnet waren. Die Hochschule entschied, Mathiopoulos den Doktorgrad abzuerkennen. Sie klagte dagegen. Bereits vor dem Verwaltungsgericht Köln und dem Oberverwaltungsgericht Münster scheiterte sie. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte nun die Vorinstanzen.

Die erste Entscheidung der Hochschule aus den 1990er Jahren sei nicht rechtsverbindlich gewesen, erklärte der Vorsitzende Richter. "Und daraus folgt für die Zukunft erstmal gar nichts." Dass bis zur zweiten Prüfung zwei Jahrzehnte vergingen, stelle zwar einen erheblichen Nachteil für die Klägerin dar. Allerdings sei dies auch kein Bagatellfall, so dass der Entzug gerechtfertigt sei.

Auch in einem zweiten, parallel verhandelten Fall bestätigten die Bundesrichter den Entzug eines Doktortitels. Dabei ging es um einen als "Doktormacher" bekannt gewordenen Promotionsvermittler aus Nordrhein-Westfalen. Er war im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit wegen Bestechung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Universität Bonn wertete dies als wissenschaftsrelevantes Fehlverhalten und erkannte dem Mann den Doktorgrad ab. Die Bundesrichter wiesen seine Klage ab.

(lsa/lnw)

Jetzt hat auch das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht in Münster gesprochen: Die Universität Bonn durfte der Politikberaterin Margarita Mathiopoulos den Doktorgrad entziehen.

Die frühere FDP-Beraterin hatte gegen die Aberkennung geklagt und war damit bereits vor dem Verwaltungsgericht Köln gescheitert. Die Universität Bonn hatte Mathiopoulos im Jahr 2011 den Doktor entzogen, nachdem im Internet Plagiatsvorwürfe laut wurden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Mathiopoulos will nun laut dpa vor dem Bundesverwaltungsgericht in Revision gehen. Bis dort eine Entscheidung fällt, darf die Unternehmerin den Doktorgrad führen. Solange ist auch ihr zweiter Titel, den sie als Honorarprofessorin trägt, nicht in Gefahr.

Die Universität Bonn wirft Mathiopoulos vor, in ihrer Doktorarbeit systematisch Quellen nicht gekennzeichnet und so getäuscht zu haben. 2012 entschied die Hochschule, ihr den Titel abzuerkennen. Dagegen wehrt sich Mathiopoulos seither vor den Gerichten. Ihre Anwälte vertreten die Auffassung, sie habe lediglich handwerkliche Fehler beim Zitieren gemacht, nicht aber betrogen.

Bereits in anderen Fällen waren Klagen gegen den Titelentzug erfolglos. Im vergangenen Jahr etwa scheiterte die ehemalige Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), die vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf ihren Doktor zurückerstreiten wollte. Insofern dürfte das Urteil gegen Mathiopoulos nun nicht überraschen.

Überraschend war vielmehr, dass das Gericht im Frühjahr die Berufung zugelassen hatte. Zur Begründung hatte das OVG "besondere Schwierigkeiten der Rechtssache" angeführt. So ging es auch um die Frage, wie eine frühere - andere - Entscheidung der Uni zu den Plagiatsvorwürfen gegen Mathiopoulos zu bewerten sei.

Uni entschied erst gegen, dann für den Titelentzug

Mathiopoulos war 1986 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität promoviert worden. Die Dissertation erregte schon kurz nach ihrem Erscheinen Aufsehen: Der SPIEGEL verwies auf wörtliche Übernahmen, die nicht ausreichend im Text kenntlich gemacht worden waren.

1991 ergab eine stichprobenartige Untersuchung der Universität zwar gravierende handwerkliche Mängel in der Dissertation; weil man aber keinen Täuschungsvorsatz erkennen konnte, entzog die Uni den Doktorgrad damals nicht.

Im Nachklang der Guttenberg-Affäre griff das Plagiatsjäger-Netzwerk VroniPlag den Fall wieder auf und erneuerte die Vorwürfe. Im April 2012 revidierte die Universität ihre Entscheidung von 1991 als "objektiv rechtswidrig" und beschloss, Mathiopoulos den Doktorgrad zu entziehen. Im Kern ging es vor dem Oberverwaltungsgericht nun also um die Frage, inwiefern dieselbe Universität in einem Plagiatsfall unterschiedlich entscheiden darf.

Die Münsteraner Richter befanden, dass die Aberkennung rechtens ist, auch wenn sie erst im zweiten Anlauf erfolgte. Die Fakultät habe Mathiopoulos nach der Prüfung Anfang der Neunzigerjahre nicht verbindlich zugesichert, von einer Entziehung auch in Zukunft abzusehen, teilte das Gericht mit.

Promotionsvermittler verliert Titel

Auch in einem anderen Fall gewann am Donnerstag die Universität Bonn: Sie durfte einem verurteilten Promotionsvermittler den Doktorgrad entziehen, auch wenn dessen eigene Doktorarbeit womöglich tadellos ist.

Der Kläger soll als Geschäftsführer einer Vermittlungsagentur Professoren Geld gegeben haben, wenn diese promotionswillige Kandidaten annehmen. 2009 flog der Skandal auf; der Geschäftsführer wurde später wegen Bestechung verurteilt. 2010 entzog die Universität Bonn dem Geschäftsmann den Titel, den er vor seiner Karriere als Doktormacher erhalten hatte. Er habe den Doktor für "kriminelle Machenschaften" benutzt, befand die Universität damals.

Zu Recht, wie nun die Münsteraner Richter bestätigten. Auch "wissenschaftsbezogene Straftaten" rechtfertigten den Titelentzug.

Ob damit das letzte Wort gesprochen ist, bleibt abzuwarten. Auch in diesem Verfahren ließ das Oberverwaltungsgericht die Revision beim Bundesverwaltungsgericht zu.

bkr/lgr/AFP/dpa

0 comments

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *